Sonderkolloquium, Prof. Dr. Mayr, Universität Klagenfurt / 10.05.2017

10.05.2017 von 17:00 bis 18:30

Hermann-Rodewald-Str. 3, 408a, 24118 Kiel

Titel: Konzeptuelle Modellierung – eine Disziplin mit Potenzial

Abstract: Die Welt ist voll von Menschen, die konzeptuell modellieren, sich dessen aber nicht bewusst sind und daher pragmatisch agieren. Dies ist nicht weiter schlimm. Es sei denn, es handelt sich um ExpertInnen der Informatik und angrenzender Gebiete, die es besser wissen sollen. Denn viele und vor allem sehr teure Probleme im Umfeld der Erstellung und des Betriebs von Softwaresystemen – zu denen ich natürlich auch datenintensive Informationssysteme zähle – entstehen durch unzureichende oder unsachgemäße Modellierung: selbst wenn man glaubt, hierauf großes Augenmerk zu legen bzw. gelegt zu haben.

Die Schuld hieran liegt nur zu einem kleineren Teil an den in der Praxis Handelnden selbst. Denn als Konsumenten von Lehrbüchern, Kursen usw. können sie es kaum besser wissen. Verantwortlich sind  vor allem diejenigen, die im Bereich der Modellierungsforschung arbeiten und lehren, mich eingeschlossen. Denn es ist uns offenbar nicht gelungen, (konzeptuelle) Modellierungsmethoden so zu gestalten und zu vermitteln, dass an ihrer systematischen und erfolgsbringenden Verwendung kein Weg vorbeiführt. Also muss man die Ursachen analysieren und daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Hierzu soll dieser Vortrag beitragen.

Zunächst werde ich versuchen, einen Eindruck davon zu vermitteln, was falsch läuft: vom Fehlen einer scharfen Definition des Begriffes „Konzeptuelle Modellierung“ selbst, über die anschwellende Ontologieflut, die offenbar den Mangel an Standards und Konstruktionsregeln ausgleichen soll, bis zum damit verbundenen Begriffs- und Methodenchaos.

Hiervon ausgehend werde ich aufzeigen, wohin, und mit welchen meist einfachen Mitteln, die Reise gehen könnte, ohne dass wieder (vermeintlich) Neues zu erfinden, zu predigen und zu verkraften wäre: über vieles wurde nämlich bereits nachgedacht und geschrieben, teils unbeachtet, teils wieder vergessen.

Heinrich C. Mayr ist emeritierter Ordentlicher Universitätsprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU), an der er seit 1990 tätig ist und die Forschungsgruppe Application Engineering leitet. Zuvor war er Assistent und Hochschulassistent an der Universität Karlsruhe (heute KIT), Gastprofessor an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland und geschäftsführender Gesellschafter eines Softwareunternehmens. Seine Forschungsergebnisse sind in über 200 meist begutachteten (peer review) Veröffentlichungen dokumentiert. Sie betreffen im Wesentlichen Entwurfs- und Entwicklungsmethoden für Informationssysteme, die Modellierung im Kontext von Anforderungsanalyse, Systementwurf und Wissensmanagement, sowie die Entwicklung domänenspezifischer Modellierungssprachen. Unter anderem war er Sprecher des Fachbereichs Softwaretechnik und Informationssysteme, Vizepräsident und Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Klagenfurt AG, Aufsichtsratsmitglied der FH Kärnten, Hochschulrat der Pädagogischen Hochschule Kärnten, acht Jahre Dekan der seinerzeitigen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik und sechs Jahre Rektor der AAU. Derzeit ist er Hauptherausgeber der Lecture Notes in Informatics (LNI), Chairman des ER Steering Committee, Vorsitzender des Beirats des Software Internet Cluster SIC und Mitglied des Fachausschusses “Wirtschaftsinformatik” der  ASIIN.

Prof. Thalheim

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